„Call of Duty“ ist der unangefochtene Platzhirsch im Actiongenre. Nun will Hersteller THQ zusammen mit dem Kaos Studio der übermächtigen Marke mit „Homefront“ Paroli bieten …

Spätestens seit dem Start von „Modern Warfare“ Ende 2007 führt im Ballergenre kein Weg an der „Call of Duty“-Serie vorbei. Das gilt sowohl für Spieler als auch für die Konkurrenz. Letztere bemüht sich zwar redlich – musste zuletzt aber zähneknirschend feststellen, dass selbst ordentlich gemachte Kopien des „CoD“-Konzeptes dem Original nicht das Wasser reichen können. Was also tun? THQ und die Kaos Studios meinen, mit „Homefront“ die entsprechende Antwort im Köcher zu haben.

Viele Actionspiele ähneln sich stark – auch wenn es sich um unterschiedliche Marken handelt. Worauf wir uns konzentrieren, ist eine neue Art der Story, ein frischer Hintergrund“, so Jeremy Greiner von Kaos. Dass das Studio in Sachen Szenario einigen Aufwand betreibt, zeigte bereits die erste Präsentation des Titels. Jetzt durfte die Redaktion den Solomodus selbst antesten.


Keine Gnade

Und darin sieht es gar nicht gut aus für die USA: Fast der gesamte Westen des Landes steht unter nordkoreanischer Besatzung. Die eigenen Streitkräfte sind versprengt, die Bevölkerung leidet unter den erbarmungslosen Kriegsherren. Wie knallhart die mit Zivilisten umspringen, macht das Spiel Ihnen gleich zu Beginn klar: Sie kurven in einem Gefangenentransporter durch eine Kleinstadt irgendwo im Westen des Landes. Auf der Straße spielen sich dramatische Szenen ab. Soldaten prügeln auf unbewaffnete Bürger ein, reißen Kinder aus den Armen ihrer Eltern. An einer Straßenecke beobachten Sie ein Erschießungskommando bei seiner schrecklichen Arbeit. Kaum verhallen die Schüsse, gellen Kinderschreie über die Straße. Ein Mädchen läuft zu seinen toten Eltern, sackt neben den Leichen zusammen …

Ein Grund zum Kämpfen

Das ist schwere Kost, die die Entwickler dem Spieler da zumuten. Es ist weniger die Gewaltdarstellung, sondern mehr die Unbarmherzigkeit der Besatzer, die schockiert. „Wir wollen den Spielern einen Grund zum Kämpfen geben“, kommentiert Greiner die eindringliche Szene. Wenig später geht es dann auch zur Sache. Ein kleiner Guerilla-Trupp befreit Sie aus dem Transporter. Zusammen mit den Widerständlern schießen Sie sich den Weg frei.

Der Guerilla-Shooter

Jetzt gibt sich „Homefront“ weitgehend genretypisch. Sie ballern sich durch Schlauchlevel, betreten hin und wieder ein größeres Kampfareal. Die Besatzer sind deutlich im Vorteil, zahlenmäßig und technisch überlegen. Immer wieder weichen Sie Patrouillen aus. Ihr Trupp windet sich durch Gassen und Hinterhöfe. Kommt es zum Gefecht, gilt es, kontrolliert zu schießen. Im Widerstand ist Munition knapp. Sie halten sich nur mühsam mit den Vorräten der Gefallenen über Wasser, wechseln ständig die Knarre. Der Munitionsmangel, die drückende Überlegenheit Ihrer Widersacher, die nadelstichartigen Angriffe Ihres Trupps – all das sorgt für eine glaubwürdige Guerilla-Atmosphäre. Ihren Mitstreitern geben Sie übrigens keine Befehle. Die KI-Partner nehmen dafür keinen Schaden und teilen ordentlich aus.

Wohin führt das alles?

Zur Story halten sich die Entwickler noch bedeckt. Auch auf Nachfrage gibt es nur ausweichende Infos zum Szenario. So viel ist bisher klar: Sie schlüpfen in die Rolle von Jacob, einem ehemaligen Kampfpiloten der US-Luftstreitkräfte. Als solcher sind Sie ob Ihrer Fähigkeiten für den Widerstand enorm wichtig. Die Guerilla-Armee organisiert einen Gegenschlag, mit dessen Vorbereitung Sie sich über weite Strecken der Kampagne beschäftigen. Die Entwickler betonen immer wieder, dass Sie keinen Navy-Seal-Green-Beret-Supersoldaten steuern, sondern einen Zivilisten – nur eben mit militärischer Ausbildung. Gleiches gilt für Ihre Guerilla-Kollegen. Erwarten Sie also keine markigen Macho-Sprüche am Ende eines knackigen Feuergefechtes.

Eindruck: Homefront

Es ist schwer, ein Spiel, das auf Atmosphäre und Stimmung setzt, anhand einiger herausgelöster Szenen einzuschätzen. Diese Faktoren entwickeln sich in der Regel langsam im Laufe der Spielzeit. „Homefront“ schafft es trotzdem, während der kurzen Präsentation einen Eindruck davon zu vermitteln, was Sie im fertigen Spiel erwartet. Die Entwickler setzen auf eindringliche Bilder und unterschwellige Schockmomente. Die Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur John Milius fruchtet offenbar. Auch spielerisch und grafisch befindet sich der Titel in der Spur: Die Baller-Mechanik ist solide, das Design detailliert, das Guerilla-Gefühl stimmig. Und dann ist da ja noch der vielversprechende Mehrspielermodus, auf den die Multiplayer-Experten von Kaos viel Wert legen. Kurzum: „Homefront“ befindet sich auf einem sehr guten Weg, einen etwas anderen Shooter-Ansatz zu finden. Die Einzelteile machen schon jetzt Eindruck – ob sie zusammen eine Gefahr für den Genreprimus „Call of Duty“ darstellen, zeigt sich im März 2011.