Die dunkle Gestalt schleicht sich lautlos ins gegnerische Heerlager. Ein leiser Schnitt, dann ist die Zeltplane durch und der Ninja hat freien Blick auf sein Ziel – den feindlichen General, der über seinen Karten brütet und den Schatten hinter sich nicht bemerkt. Schnell nähert sich der schwarz gekleidete Kämpfer seinem Opfer. Doch da kommt plötzlich eine Wache herein …

Von oben nach ganz oben
Wie vieles in diesem Spiel ist der Ausgang der Szene ungewiss: Erfüllt der Ninja seinen Mordauftrag? Entkommt er seinen Häschern oder endet er mit einem Schwert im Leib? Spannend – und doch nur ein winziger Teil eines großen Spiels. Denn als Daimyo (Anführer) Ihres Clans kämpfen Sie im feudalen Japan gegen andere Gruppierungen um den Titel des Shoguns. Der Titel bezeichnet den obersten Kriegsherrn des Landes und bedeutet de facto – trotz Kaiser – die Herrschaft über das Land. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es jedoch mehr als den Erfolg in der Schlacht. Das Reich muss militärisch und wirtschaftlich in der Balance sein, damit Sie eine Chance haben.

Welche Herausforderungen tatsächlich auf Sie zukommen, prüfte die Redaktion in einer Vorabversion. Die vermittelte schon viele Spielinhalte, darunter Teile der Kampagne sowie historische Schlachten zum Nachspielen.

Schnell oder langsam

Wie immer in der „Total-War“-Reihe unterscheidet auch der neueste Ableger zwischen der Kampagnenkarte, auf der Sie rundenbasiert spielen, und dem Schlachtfeld, auf dem es in Echtzeit zur Sache geht. Die Karte ist inhaltlich wichtiger, denn Kämpfe berechnet – auf Wunsch – der Computer. Nachteil: Ist Ihr Heer schwächer als das des Gegners, verlieren Sie automatisch. In Eigenregie setzen Sie Ihre Truppen unter Umständen erfolgreicher ein. Dafür kosten Schlachten eine Menge Zeit. Eilige Daimyos sorgen also vermutlich für eine militärische Übermacht und gewinnen den Kampf per Mausklick.

Aufbauen für den Krieg

Auch ohne Kämpfe haben Sie reichlich zu tun. „Shogun 2 – Total War“ besticht vor allem im Detail. So bilden Sie zum Beispiel bessere Kavallerie-Einheiten aus, wenn Sie über eine Provinz verfügen, in der es besonders gute Kriegspferde gibt. Eine andere Region ermöglicht mit ihrem Steinbruch bessere Burgmauern. Fast jede Provinz hat ihre Besonderheit, die Sie sinnvoll nutzen sollten. Auch die Verwaltung hat ihre Tücken: Unzufriedene Bürger zetteln Revolten an – treiben Sie zu wenig Steuern ein, gehen Sie pleite. Ohne Augenmaß und Blick für Kleinigkeiten geht hier nichts. Das gilt auch fürs Militär: Schon in der Vorabversion agierten die computergesteuerten Gegner clever und ließen sich auf keine Spielchen ein, sondern nutzten ihre Vorteile konsequent aus: So griff die Kavallerie möglichst schnell Fernkampfeinheiten des Gegners an, während sich die Speerträger in den Kampf warfen, um Bogenschützen gegen die Reiterei zu verteidigen.

Weniger Einheiten, altes Prinzip

Auffällig ist die gute Übersicht: Zwar tragen die Einheiten für europäische Geschmäcker seltsame Namen (Yari Ashigaru sind etwa Speerkämpfer), aber ihre Funktion ist immer deutlich erkennbar. Und statt mehrerer Hundert Einheiten (wie noch im Vorgänger „Napoleon – Total War“) specken die Entwickler die Truppenzahl auf etwa 30 Einheiten ab. Die unterscheiden sich deutlicher voneinander, als das in früheren Spielen der Fall war. Es gilt noch immer das Schere-Stein-Papier-Prinzip – jede Einheit ist gegen einen Gegnertyp besonders gut und gegen einen anderen besonders anfällig. Die wenigen Truppen machen die Schlachten planbarer als früher.

Prognose: Shogun 2 – Total War

Die Politik der kleinen Schritte greift auch bei der Rückkehr ins feudale Japan (mit „Shogun – Total War“ begann die Reihe 2000). Es gibt nur wenig Änderungen, die sofort auffallen, aber vieles, was unauffällig und doch mit spürbarem Effekt an der Spielmechanik dreht. Ob es das bislang beste Spiel der Serie ist? Nach wenigen Spielstunden ist das schwer zu sagen. Es ist sicher das bislang hübscheste. Und durchaus überzeugend: Da rollt erneut ein knallharter Strategiekracher an.